{"id":1730,"date":"2021-09-15T20:00:27","date_gmt":"2021-09-15T19:00:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.hilotherm.com\/?p=1730"},"modified":"2024-07-26T19:13:49","modified_gmt":"2024-07-26T18:13:49","slug":"cipn-prophylaxe-neues-thermoheilverfahren-hilft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hilotherm.com\/en\/cipn-prophylaxe-neues-thermoheilverfahren-hilft\/","title":{"rendered":"CIPN-Prophylaxe: neues Thermoheilverfahren hilft"},"content":{"rendered":"<div class=\"page\" title=\"Page 1\">\n<div class=\"section\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<h1>CIPN-Prophylaxe: neues Thermoheilverfahren hilft<\/h1>\n<div class=\"page\" title=\"Page 1\">\n<div class=\"section\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<h3>Prophylaxe in onkologischen Therapien<\/h3>\n<p>erschienen in gyna\u00f6kologie + geburtshilfe 2021; 26(5)<\/p>\n<div class=\"page\" title=\"Page 1\">\n<div class=\"section\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p><strong>Die Chemotherapie-induzierte Polyneuropathie ist eine ha\u0308ufige Nebenwirkung antineoplastischer Systemtherapien. Mit einer prophylaktischen Hand-Fu\u00df-Ku\u0308hlung mittels eines kontrollierten Thermoheilverfahrens lassen sich ho\u0308hergradige Symptome vermeiden.<\/strong><\/p>\n<div class=\"page\" title=\"Page 1\">\n<div class=\"section\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p>Die Chemotherapie-induzierte Polyneuropathie (CIPN) findet ihre Auspra\u0308gung bei der Behandlung verschiedener Tumorentita\u0308ten in der sensiblen beziehungsweise sensomotorischen peripheren Neuropathie, die im Zusammenhang mit Platinanaloga (Cis- platin, Oxaliplatin, seltener Carbopla- tin), Vinca-Alkaloiden (v.a. Vincristin, seltener auch Vinblastin, Vinorelbin), 5-Fluoropyrimiden (5-Fluorouracil, Ca- pecitabin), aber ganz besonders mit Taxanen (Docetaxel, Paclitaxel, nab- Paclitaxel) beobachtet werden kann. Die<\/p>\n<p>Angaben u\u0308ber die Inzidenzrate der CIPN jeglichen Grades variieren in der Litera- tur von 42\u201360%. Seidman et al. berich- ten von Grad-2\/3-Toxizita\u0308ten von 33 % bei der dreiwo\u0308chigen Taxol-Gabe sowie von 51 % bei der wo\u0308chentlichen Paclitaxel-Gabe.<\/p>\n<p>CIPN persistiert u\u0308ber Jahre und beeinflusst die Lebensqualita\u0308t der betroffenen Patienten ma\u00dfgeblich. Eine Studie von Hershman et al. zufolge haben 67\u2013 80 % der Patienten nach einem Jahr persistierende CIPN-Symptomatiken, laut Eckhoff et al. geben 34% der Patienten persistierende CIPN-Symptome fu\u0308r ein bis drei Jahre an.<\/p>\n<p>Neben der Art und Dosierung der Chemotherapie korreliert die Inzidenzrate mit einem ungu\u0308nstigen Body-Mass-Index und fehlender ko\u0308rperlicher Aktivita\u0308t. Auch ko\u0308nnen individuelle Risiko- faktoren wie Diabetes mellitus oder nutritiv toxische Substanzen, hier insbesondere Alkohol, die Inzidenzrate von CIPN steigern.<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"column\">\n<p>Wa\u0308hrend die CIPN \u2264 Grad 1 das allta\u0308gliche Leben und die Lebensqualita\u0308t nicht negativ beeinflusst, verlangen Toxizita\u0308ten von \u2265 Grad 2 Interventionen wie Dosisreduktion, Therapieintervallverla\u0308ngerung bis hin zu Therapieabbru\u0308chen, was den Therapieerfolg und die Langzeitprognose negativ beeinflussen kann.<\/p>\n<h5>Mo\u0308glichkeiten der Pra\u0308vention<\/h5>\n<p>In den aktuellen Leitlinien 2021 disku- tiert die AGO Mo\u0308glichkeiten zur Pra\u0308- vention der Inzidenzrate von CIPN (Ka- pitel 15). Es werden positive Studien zum Funktionstraining (sensomotorisches Stimulationstraining, Fitness etc.), Kompressionstherapie (chirurgische Handschuhe) und Ku\u0308hlung (Ku\u0308hlhandschuhe und -stru\u0308mpfe) zitiert und mit einem \u201e+\u201c in der Empfehlung bewertet. Medikamento\u0308se Empfehlungen zur CIPN-Pra\u0308vention werden weiterhin zuru\u0308ckhaltend diskutiert.<\/p>\n<p>Die Idee der Ku\u0308hlung zur Reduzieung der CIPN basiert auf der Hypothese eines sehr einfachen Wirkungsmechanismus: die Ku\u0308hlung fu\u0308hrt zur Vaso- konstriktion der Blutgefa\u0308\u00dfe, die die Nervenendigungen der Extremita\u0308ten versorgen, Metabolismus und Transport der toxischen Substanzen werden redu- ziert und so Nerven weniger gescha\u0308digt. Die bisher konventionellen Ku\u0308hlmittel (Elasto-Gelhandschuhe, Eispacks, u.a.) wurden den Patienten wa\u0308hrend der Chemotherapie tiefgefroren gereicht. Die Probleme sind offensichtlich: Die Ku\u0308hlmedien ku\u0308hlen nicht konstant und mu\u0308ssen aufgrund ihrer Erwa\u0308rmung regelma\u0308\u00dfig ausgetauscht werden. Dies ist verbunden einem hohen Arbeitsaufwand fu\u0308r das Pflegepersonal. Die aggressive Ka\u0308lte der bisherigen Ku\u0308hlmedien (bis zu\u201320\u00b0C) wird von den wenigsten Patienten toleriert, die mangelnde Adha\u0308renz fu\u0308hrt zur Unterbrechung des Ku\u0308hlvorganges und zur reaktiven Hypera\u0308mie mit versta\u0308rkter Durchblutung der Extremita\u0308ten, was vermieden werden soll. Daru\u0308ber hinaus kann die falsche Anwendung der aggressiven Ku\u0308hlung zur Gewebescha\u0308digung mit Frostbrand fu\u0308hren.<\/p>\n<div class=\"page\" title=\"Page 2\">\n<div class=\"section\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<h5>Neues Thermoheilverfahren mit kontrollierter Hand-Fu\u00df-Ku\u0308hlung<\/h5>\n<p>In Du\u0308sseldorf am Luisenkrankenhaus werden systematisch Daten zur Wirksamkeit eines neuen computergesteuerten Thermoheilverfahrens (Hilotherapy\u00ae) zur Vermeidung der CIPN gesammelt. Brustkrebspatienten ku\u0308hlen wa\u0308hrend jeder neurotoxischen Chemotherapie prophylaktisch Ha\u0308nde und Fu\u0308\u00dfe mit dem speziellen Ku\u0308hlgera\u0308t (ChemoCare, Hilotherm).<\/p>\n<p>Das Gera\u0308t ist ausgestattet mit Hand-\/Fu\u00dfmanschetten und mit destilliertem Wasser befu\u0308llt. Es kann auf eine gradgenaue Ku\u0308hltemperatur eingestellt werden und ermo\u0308glicht eine kontinuierliche Ku\u0308hlung der Extremita\u0308ten bei moderaten Temperaturen. Mit einer Gera\u0308te-Temperatureinstellung von 10\u201312 \u00b0C werden Ha\u0308nde und Fu\u0308\u00dfe 30 Minuten vor Beginn, wa\u0308hrend und 30\u201360 Minuten nach der Chemotherapie geku\u0308hlt.<\/p>\n<div class=\"page\" title=\"Page 2\">\n<div class=\"section\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<h5>Gute Erfolge<\/h5>\n<p>Wir haben Daten von 193 Patientinnen ausgewertet. 151 Patienten nutzten die Hilotherapy\u00ae prima\u0308r-prophylaktisch bei jeder taxanhaltigen Chemotherapie (Gruppe 1). 42 Patientinnen verzichteten zuna\u0308chst auf die kontrollierte Hand-Fu\u00df-Ku\u0308hlung (Gruppe 2). Nach jeder Chemotherapie-Behandlung wurden Symptome der CIPN mittels CTCAE- Kriterien erfasst (NCI CTCAE V 5) und die Nachhaltigkeit der Wirkung durch Follow-up-Daten (FUP) erhoben (Patientenkontakte alle drei Monate).<\/p>\n<p>Unter prophylaktischer Ku\u0308hlung blieben 93,4% (n = 141) der Patientinnen frei von limitierenden Symptomen der CIPN. 64 Patientinnen gaben keine (Grad 0), 77 Patientinnen milde (Grad 1)<\/p>\n<div class=\"page\" title=\"Page 2\">\n<div class=\"section\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p>Symptome der CIPN an. 9 Patientinnen entwickelten trotz Ku\u0308hlung CIPN-Symptome mit Schmerzen und Beeintra\u0308chtigungen im Alltag (Grad 2), eine Patientin beschrieb den Toxizita\u0308tsgrad 3. Die Symptome Grad 2\/3 waren nicht anhaltend, Dosisreduktion oder Intervallverla\u0308ngerung der Chemotherapie waren nicht notwendig.<\/p>\n<p>Vier Wochen nach der letzten Chemo- therapie (EOT) reduzierte sich die An- zahl der Patientinnen mit einer Grad-2\/3- Toxizita\u0308t: Sechs Patientinnen gaben noch eine Grad-2-Toxizita\u0308t an, keine Patientin litt mehr unter Grad-3-Symptomen. Die Erhebung der Langzeitresultate besta\u0308tigt die Nachhaltigkeit der Ergebnisse: Vier bis zehn Monate nach Beendigung der Chemotherapie (FUP 1: n = 146; FUP 2: n=124;FUP3:n=93) gaben knapp 98% der Patientinnen nur milde oder keine CIPN-Symptomatiken (Grad 0\u20131) an, gut 2 % der Patienten hatten anhaltende Grad-2-Toxizita\u0308ten.<\/p>\n<p>Von den Patientinnen ohne prophylaktische Ku\u0308hlung entwickelten 38 (90 %) CIPN-Symptome, 19 davon Grad-1-, 17 Grad-2- und zwei Grad-3-Toxizita\u0308- ten. Die Patientinnen dieser Gruppe nutzten die Hand-Fu\u00df-Ku\u0308hlung nach Auftreten der CIPN-Symptome sekun- da\u0308r-reaktiv fu\u0308r die noch ausstehenden zytotoxischen Behandlungen. Es zeigte sich, dass das Fortschreiten der CIPN vermieden und bis dahin entstandene Symptome gelindert werden konnten.<\/p>\n<h5>Fazit<\/h5>\n<p>Unsere Daten konnten zeigen, dass durch die prophylaktische Hand-Fu\u00df- Ku\u0308hlung mittels dem kontrolliertem Thermoheilverfahren (Hilotherapy\u00ae) die Entwicklung von CIPN-Symptomen \u2265 Grad 2 deutlich reduziert und vermieden werden konnten. Die Ergebnisse sind nachhaltig, durch Vermeidung der Langzeitkomplikation CIPN wird die Lebensqualita\u0308t onkologischer Patienten geschu\u0308tzt.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>CIPN-Prophylaxe: neues Thermoheilverfahren hilft Prophylaxe in onkologischen Therapien erschienen in gyna\u00f6kologie + geburtshilfe 2021; 26(5) Die Chemotherapie-induzierte Polyneuropathie ist eine ha\u0308ufige Nebenwirkung antineoplastischer Systemtherapien. Mit einer prophylaktischen Hand-Fu\u00df-Ku\u0308hlung mittels eines kontrollierten Thermoheilverfahrens lassen sich ho\u0308hergradige Symptome vermeiden. 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