Ursachen der Polyneuropathie (CIPN) und des Hand-Fuß-Syndroms (HFS)? 

Durch die Chemotherapie kann zu Komplika­tionen kommen, die man Chemotherapie-induzierte Polyneuropathie (CIPN) oder Hand-Fuß-Syndrom (HFS) nennt. Diese entstehen, da das Chemotherapeutikum in die Blutkapillaren (kleinste Blutgefäße) der Hände und Füße, vordringt und dort schädigt. 

Polyneuropathie

Der Mechanismus setzt sich aus zwei Vorgängen zusammen:

  1. Schädigung am sensorischen Neuron (Nervenzelle) direkt durch das Chemotherapeutikum, ein Teil davon durch oxidativen Stress, den das Chemotherapeutikum auslöst.
  2. Entzündliche Prozesse im Nervensystem. Wo genau am sensorischen Neuron die Schäden entstehen, richtet sich vor allem nach dem jeweiligen Chemotherapeutikum.

Neben den klassischen Chemotherapeutika führen auch neue, zielgerichtetere Ansätze, etwa mit Antikörperkonjugaten, ebenfalls zu CIPN (Younes, Clin Oncol, 2012), was für eine anhaltende oder sogar zunehmende Relevanz von CIPN als Nebenwirkung onkologischer Therapien spricht.

Der bevorzugte Befall des sensiblen Nervensystems ist nach dem gängigen Verständnis durch die Blutversorgung dieser Nervenzellen mit gefensterten Kapillaren begründet. Die Eiweißzusammensetzung der Zellwand ist anders, durchlässiger für bestimmte Chemotherapeutika. Somit entfalten sie elementare Schäden an den Nervenzellen.

Hand-Fuß-Syndrom

Der genaue Entstehungsmechanismus des Hand-Fuß-Syndroms ist noch ungeklärt. Am geht davon aus, dass Anteile des Chemotherapeutikums über die Schweißdrüsen an die Hautoberfläche geleitet werden, wo sich in Kontakt mit Sauerstoff ’freie Radikale‘ bilden. Diese schädigen die Gewebezellen der Haut insbesondere dort, wo sie als Hornhaut besonders dick ausgeprägt ist und die Substanz wie ein Schwamm aufsaugt: an Innenhand und Fußsohle.